Gedanke vs. Gefühl

Posted on 10. Februar 2012

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Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl.

(Andreas Möller, deutscher Fußballspieler)

…dann muss dieses Gefühl wohl ganz richtig gewesen sein… – doppelt hält bekanntlich besser…

Können wir bestimmen, beziehungsweise steuern, wie wir uns fühlen?

Unsere Gedanken bestimmen unsere Gefühle. Zuerst denken wir an etwas, danach bekommen wir ein Gefühl, dessen Qualität dem Gedanken, der uns durch den Kopf geht, entspricht. Unser Gefühl – wie wir uns fühlen, unsere Stimmung – widerspiegelt unsere Gedanken. Das ist einfach zu erklären. Wir denken zum Beispiel an einen tollen Urlaub, den wir erlebt hatten und es kommen schöne Erinnerungen, angenehme Gefühle in uns hoch – wir freuen uns schon auf die  nächsten Ferientage. Wir hatten eine gute, schöne Erfahrung, die uns auch für den kommenden Urlaub zuversichtlich stimmt. Wir stützen uns gerne an unsere Erfahrungswerte, egal ob sie gut oder weniger gut waren.

Dies ist auch die Sprache, die unser Verstand versteht und akzeptiert. Ich meine, wenn wir zum Beispiel dreimal hintereinander eine tolle Urlaubszeit verbracht hatten, gehen wir automatisch unbewusst davon aus, dass uns auch der vierte Urlaub eine schöne Zeit beschert. So neigen wir weniger dazu, uns im Vorfeld Sorgen zu machen ob alles klappen würde. Unser Verstand steht uns nicht im Weg – er kennt unsere Erfahrungen und analysiert sie immer genau um uns bei Entscheidungen helfen zu können.

Das ist auch gut so – zumindest so lange wir in einem Lebensbereich nur gute, erfreuliche Erfahrungen machen. Aber was geschieht, wenn der letzte Urlaub alles andere als toll war? Wenn wir am letzten Urlaubstag enttäuscht und erschöpft heimgefahren sind? Wenn wir das Gefühl hatten, diesen Urlaub hätten wir uns sparen können – eigentlich war es  schade um das schöne Geld…? Werden wir deshalb den nächsten Urlaub streichen? Werden wir gar aus Angst lieber daheim bleiben, weil wir allzu sehr befürchten, dass der nächste Urlaub auch nicht so toll sein wird (wir hatten ja mit dem letzten Urlaub schlechte Erfahrungen gemacht). Oder schaffen wir es irgendwie, unseren Verstand, unsere sorgenvollen Gedanken zur Ruhe zu bringen um voller Zuversicht erneut  in den Ferien loszufahren?

Der menschliche Verstand ist in der Praxis nicht verlässlich, am wenigsten in größter Not.

 (Karl Jaspers)

Je länger wir uns mit solchen und ähnlichen Gedanken beschäftigen. umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass leider auch der nächste Urlaub nicht ganz unseren Vorstellungen entsprechen wird. Wir müssen vermutlich kleine Pannen in Kauf nehmen, uns wegen etwaigen Unannehmlichkeiten ärgern und schon ist die Stimmung dahin. Und dann denken wir die meiste Zeit daran, warum dies und das schon wieder genauso ist, wie wir es in unserem letzten Urlaub erlebt hatten. Tja, wir haben eben Pech!

Aber die Wahrheit ist: wir gaben die Kontrolle über unsere Gedanken ab. Unser Verstand drängte sich zu sehr in den Vordergrund – er führte uns unsere letzte Urlaubserfahrung mit großer Intensität vor, jedes Mal wenn wir an den anstehenden Urlaub dachten. Unser Verstand wollte uns bloß warnen – schließlich hatte er miterlebt, welche negativen Erfahrungen wir in den letzten Ferien gemacht hatten.

Unser Verstand sagt: <Entweder bleibt ihr zu Hause, dann müsst ihr die schlechte Erfahrung nicht wieder durchmachen (es hat ja beim letzten mal auch nicht geklappt), oder ihr fährt diesmal wieder in den Ferien, aber dann dürft ihr euch nicht wundern, wenn etwas wieder schief geht. Ihr werdet euch wieder ärgern müssenich weiß es… letztes Jahr war es ja auch so…>

Nun, dann werden wir wohl nie wieder in den Urlaub fahren, oder? Unser Verstand, der alles besser weiß – auf ihn können wir uns doch verlassen… unser bester Ratgeber. Was täten wir ohne ihn?

Wir sollten uns von unserem Verstand nicht allzu lange bequatschen lassen, jdedoch akzeptieren, dass es sein Job ist, uns immer wieder unsere negativen Erfahrungen (Urlaub, Beruf, Partnerschaft etc.) vor Augen zu führen (er möchte uns nur vor weiteren möglichen Fehlentscheidungen bewahren). Wir sollten für seine Funktion dankbar sein, bloß wenn wir zulassen, dass seine Argumentationen unsere vorherrschenden Gedanken dominieren, dann stimmen wir auch zu, dass  unsere Gedanken auf diese negativen Erlebnisse fokussiert bleiben.

 Der Kopf ist jener Teil des Körpers, der uns am häufigsten im Weg steht.

 (Gabriel Laub)

Wir denken jeden Tag ein bisschen länger an diese Geschichte (letzter Urlaub), wir ärgern uns wieder darüber und erwischen uns immer öfter dabei, dass wir über die Sache nicht nur negativ denken, wir reden auch noch mit anderen Menschen darüber. Unsere Worte klingen ärgerlich, verbittert. Wir wachen nächsten Morgen auf und woran denken wir als Erstes? Genau! Diese unschöne Erfahrung drängt sich schon wieder in unser Bewusstsein! Es ist kein Zufall – wir halten uns an ihr buchstäblich fest, wir können sie einfach nicht loslassen – schließlich war es eine große Enttäuschung, (ganz egal was es war). Wir lassen die Sache nicht los also muss sie bei uns bleiben und uns jeden Tag begleiten. So lange, bis es zu unserer Gewohnheit wird, automatisch negativ zu denken – diese negative Denkweise breitet sich oftmals wie ein Lauffeuer aus, auch in anderen Lebensbereichen.

An dieser Stelle sollten wir STOPP rufen, sonst gelingt es uns ziemlich schnell ein negatives Denkmuster anzueignen und leider weniger schnell aus dem Teufelskreis auszubrechen.

  • Schlechte Erfahrung –
  • Warnung durch den Verstand –
  • erzeugt negative Gedanken, Gefühle (Erinnerungen) –
  • löst erneut schlechte Erfahrung aus –
  • noch mehr, intensive, negative Gedanken –
  • ziehen zusätzliche, negative Erfahrungen in anderen Lebensbereichen an –
  • erzeugt noch mehr negatives Lebensgefühl, Frust, Sorgen, Kummer –
  • es will nichts mehr richtig gelingen, Misserfolge –
  • Gefühl der Verzweiflung, Machtlosigkeit –
  • Pechsträhne, Erfolglosigkeit, Unglück, Opferhaltung, seelische Belastung in der Realität –
  • mögliche physische oder psychische Erkrankungen.

Wir sollten unsere Fähigkeit zur Gedankenkontrolle bereits früher einsetzen, bevor der Teufelskreis beginnt. Wir können unsere Erfahrungen steuern, aber nur dann, wenn wir unsere Gedanken bewusst wählen. Wir sollten uns zwar anhören  was uns unser Verstand mitzuteilen hat, jedoch selbst entscheiden, wie wir über eine bestimmte Angelegenheit denken wollen. Wir haben immer eine Wahl – ich kann an etwas denken und ich merke sogleich, welche Gefühle in mir hochkommen. Wenn ich mich schlecht, wütend, frustriert fühle, habe ich negative Gedanken (Fokus auf die Enttäuschung, Verletzung, Kummer) gewählt. Ich entscheide also, wie ich mich fühle. Wenn ich bessere, schönere Gefühle in meiner Innenwelt haben möchte, sollte ich versuchen meine Gedanken auf positiv umzupolen.

Wenn ich persönlich Schwierigkeiten habe, nach einer schlechten Erfahrung positive Gedanken zu finden, versuche ich an andere, schönere Erlebnisse zu denken. Ich scanne meine Festplatte (gespeicherte Erinnerungen, Erfahrungen). Mein eingebauter Hochleistungsscanner :-)) sucht nach etwas Schönes, Angenehmes in meinem Leben. So schaffe ich es, meinen Fokus zumindest von der schlechten Erfahrung abzulenken – meine Gedanken kreisen nicht mehr ständig um diese eine bestimmte (negative) Sache, sie sind mit der Suche beschäftigt.

Dann denke ich an die schönen Dinge in meinem Leben und daran, wie ich diese auch in nächster Zeit (Zukunft) haben möchte (Qualität). Ich wiederhole diese Übung jeden Tag, immer öfter – insbesondere dann, wenn ich merke, dass ich mit meinen Gedanken wieder einmal bei der schlechten Erfahrung bin (ich muss mich innerlich ärgern). Dann stelle ich eine Umleitung für meine Gedanken auf – wie man es für die Autos auf einer Baustelle macht. Wenn es keine Umleitung geben würde, müssten sich doch auch die Autofahrer grün und blau ärgern. Aber durch die Umleitung haben sie freie Bahn und sie können auch ihre Gedanken leichter von wütend auf ruhig schalten.

Wenn ich mich dabei ertappe, dass meine Gedanken weniger positiv sind – ich ärgere mich über etwas – dann hole ich mir das Bild einer Umleitung ins Bewusstsein. Ich sehe das Schild Umleitung vor mir und ich sehe vor meinen geistigen Augen, wie ich rechts oder links abbiege. Ich fahre auf eine andere Straße (durch die Umleitung) – meine Gedanken wurden von der Baustelle (Ärgernis) umgeleitet – so muss ich mich nicht mehr ärgern. Somit habe ich meine Gedanken frei um über etwas anderes nachzudenken – zum Beispiel über etwas Erfreuliches.

Vielleicht kann Ihnen dieser Tipp mit der Umleitung weiterhelfen, wenn auch Sie sich mal über etwas ärgern müssen. Und wenn Sie das nächste Mal in den Urlaub fahren, lassen Sie Ihren Film nur mit schönen Erfahrungen, Erinnerungen  vor Ihren geistigen Augen ablaufen – dann werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch einen tollen Urlaub erleben!

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Liebe Grüße,

© Sunelly Sims